Montag, 15. September 2008

Kommse vonne Schicht...

...wat schoenres gibbet nich, als wie 'ne Currywurst!

Currywurst waere zwar toll, aber die wartet nach der Arbeit nicht auf mich. Vielleicht fange ich aber lieber von vorne an: Mein Arbeitsplatz, das Colegio Champagnat, ist super und gar nicht so katholisch wie ich dachte. Von aussen sieht es ein bisschen aus wie die oertliche Justizvollzugsanstalt, aber ich wurde dort sehr herzlich aufgenommen und durfte mich der ganzen Schule per Mikrofonansage vorstellen, war das ein Spass!
Ich bin sowas wie der Hahn im Englischlehrerkorb, denn die Fachschaft besteht nur aus Frauen, was ein angenehmes Gegengewicht zum Maennerueberschuss unter den Schuelern darstellt. Da die Schule erst seit fuenf Jahren Maedchen aufnimmt, unterrichtet man vor allem in den hoeheren Klassen ausnahmslos Jungs. Das ist, meine ich, ein fuer die Schueler nicht nur ungesunder, sondern auch hoechst freudloser Zustand, aber sie lassen es sich nicht anmerken und meckern lieber ueber die Noten, die ich ihnen fuer ihre zugegebenermassen oft recht eigenwilligen Interpretationen der englischen Sprache gebe.
Jede Fachschaft hat hier ihr eigenes Lehrerzimmer mit PC, ich bekomme Essen fuer lau und es gibt Kaffee (kolumbianischer Kaffee ist ein Kapitel fuer sich) zum Abwinken, wobei ich mich bei all dem nicht totarbeite, nein, die Arbeit macht mir sogar sowas wie Spass!
An die Eiseskaelte, die morgens um 5:30, wenn ich bibbernd an der Bushaltestelle stehe, ueber die Berge gewabert kommt, habe ich mich mittlerweile gewoehnt, aber ich haette verflucht nochmal eine dickere Jacke mitnehmen sollen, denn selbst wenn ich schon im famosen Transmilenio sitze, dieser Strassenbahn fuer Arme (naja, es sind knallrote Busse, die auf einer eigenen Spur fahren), der mich jeden Morgen 45 Minuten zur Arbeit schaukelt, wuensche ich mich in mein Bett mit den vier Decken zurueck. Transmilenio-Fahren ist abgesehen von der Kaelte echt dufte, vorausgesetzt man benutzt ihn nicht um 7:00 oder 16:00, denn dann gleicht er mehr einem Weltrekordversuch im Pendlerstapeln. Da finde ich die Abstellplaetze fuer Rollstuehle im Bus echt putzig, weil ich den Rollstuhlfahrer sehen moechte, der sich das freiwillig antut, denn schon so ist es eng genug und man hat mit voellig fremden Menschen mehr Koerperkontakt als ein Zehnjaehriger mit saemtlichen Grosstanten am Tage seiner Erstkommunion.
Wenigstens ist man hier sicher, dafuer sorgen zahnbespangtem Polizisten, gerade alt genug, um ein Bier kaufen zu duerfen, die hier ihren Wehrdienst leisten. Hier in Kolumbien ist die Polizei naemlich Teil der Armee und untersteht dem Verteidigungs- und nicht Innenministerium. Wer seinen Militaerdienst bei der Polizei ableistet, darf sich sogar gluecklich schaetzen, weil er Zuhause schlafen kann und nicht irgendwo im Dschungel vermodert, sondern an einer Transmilenio-Haltestelle. Besser haben es nur die Reichen, die sich von der Wehrdienstpflicht - ganz legal uebrigens - freikaufen koennen.
Trotzdem bleiben noch genug Soldaten uebrig, um ueberall in Bogotá ein Paar hinzustellen (verdammt, nehmt den Kindern die Waffen weg!), was fuer mich zwar hoechst ungewohnt ist, aber Sicherheit schafft. Bogotá ist auch keineswegs uebergefaehrlich, man muss halt nur ein bisschen besser auf sich und seine Sachen aufpassen als in Dinslaken oder von mir aus auch in Spellen-Ork.

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