Ich habe mal wieder - genau! - nichts zu tun und moechte meine Zeit wenigstens halbwegs konstruktiv nutzen, weshalb ich mal ein bisschen von mener Schule erzaehlen moechte.
Das Colegio Champagnat wird von der Maristen-Bruderschaft betrieben, die nicht, wie ich zuerst dachte, Moenche sind, sondern eine Laienbruderschaft. Was das am Ende bedeutet, verschliesst sich mir allerdings. Ich glaube aber sie reden ueber Gott. Und tun Gutes. Auf dem Papier ist die Schule, die noch vor 5 Jahren ein reines Knabengymnasium war, also katholisch, aber damit ist's nicht so weit her, auch wenn man den Kindern das Vaterunser auf Englisch beibringt und vor 'nem Schulausflug kurz betet oder so.
Ausserdem nennt sich die Schule "oekologisch", was sie nach kolumbianischen Massstaeben wahrscheinlich sogar ist: der Muell wird getrennt, die Schueler werden fuer Umweltschutz sensibilisiert und es werden dauernd Schulausfluege in diverse Nationalparks oder so unternommen, zu denen ich in meiner Eigenschaft als Auslaender vom Dienst gerne mitgenommen werde. Man glaubt es kaum, aber das ist echt Arbeit und wir sollten unsere Grundschullehrer um Entschuldigung bitten, denn allein dieses konstante Kindergeschreie stresst einen tierisch, man lernt die Stille wirklich zu schaetzen (versteht mich dabei nicht falsch, ich mag die Blagen schon, aber es ist nunmal so). Den Status quo versucht keiner hier zu aendern, viel zu anstrengend und viel zu stressig. Stattdessen sagte man mir u.a., dass sei kulturell bedingt und wir Deutschen waeren halt disziplinierter, und dass das Colegio Champagnat eine der strengeren Schulen waere.
Das Schulgebaeude ist ca. 70 Jahre alt und hat wie eigentlich alle Gebaeude hier keine Heizung, weshalb es drinnen oftmals kaelter ist als draussen (ich sitze hier in Jacke). Durch zahlreiche Ritzen und Loecher pfeift lustig der Wind, denn warum sollte man auch so ein Fenster auch isolieren? Wer schonmal um 4:30 Uhr morgens in Bogota unter der Dusche gestanden hat, weiss, wovon ich rede.
Vielen hier ist kalt, viele jammern (so wie ich), aber man trinkt halt Kaffee oder Kaffee verduennt mit heissem Wasser und fruehstueckt Fleischbruehe, damit man unter'm Lehrerkittel, der die Lehrkoerper hier aussehen laesst wie Apotheker, nicht allzusehr friert.
Mag zwar alles ein bisschen negativ klingen, aber ich mag's hier trotzdem. Alle sind nett zu einem, ich krieg Gratisessen und Kaffee satt und kriege viel zu sehen auf den ganzen Schulausfluegen. Hier laesst sich's jedenfalls ein Weilchen aushalten. Achso, um schliesslich noch die Ueberschriftserwartungshaltung des geneigten Lesers zu befriedigen: Der Tuersteher(oder Torwart?) der Schule hat einen getunten LADA, zumindest glaube ich, dass er ihm gehoert. Das ist ein ulkiges Gefaehrt, mit Spoilern, verchromten Endrohren und Rennaufklebern, wahrscheinlich sogar Hosentraegergurten... aber wer tunt bitte einen LADA??? Vielleicht sind die Dinger hier fuer ihr sportliches Fahrverhalten bekannt, der Ferrari aus der russischen Steppe quasi. Fast noch besser ist die krueppelbeinige Piratentaube, die in der Cafeteria auf Beinstummeln ihre Runden dreht und ihre Brosamen aufpickt, fehlt nur noch die Augenklappe und der wilde Bart. Tauben gibt's hier an der Schule ein ganzes Rudel, von denen sich eine mal auf dem fertig belegten Pizzablech in der Cafeteria niedergelassen hat - das trotzdem in den Ofen ging. Pizza habe ich seitdem nicht mehr gegessen.
Fuer Fotos hier klicken.
Dienstag, 28. Oktober 2008
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