Donnerstag, 6. November 2008

Tour de Boyacá

Letztes Wochenende hatte ich als Quotendeutscher wieder einmal das Glueck, auf einen Schulausflug mitgenommen zu werden, was zwar bedeutete, an einem Samstagmorgen um 3:50 Uhr aufzustehen, aber immerhin habe ich mal wieder gratis was vom Land gesehen und durfte die erste Spesenquittung meines Lebens unterschreiben.
Das Ziel der Reise, Boyacá, ist eien sehr landwirtschaftlich gepraegte, gebirgige und sehr gruene Provinz, wo man sich auch schonmal an ein deutsches Mittelgebirge erinnert fuehlen kann. Mit dem Auto kommt man von Bogotá recht schnell hin (2-3h), was es als Wochenendziel fuer Hauptstaedter, die der Enge in Bogotá entfliehen wollen, sehr attraktiv macht.
Der Bus kam zu spaet (nicht, dass ich anderes erwartet haette), aber schliesslich ging es doch los in Richtung Puente de Boyacá, was fuer den Kolumbianer an sich ein echt wichtiger Ort ist, weil hier Simón Bolívar (u.a. Befreier von Venezuela, Kolumbien, Ecuador, Peru und Bolivien) seine entscheidende Schlacht geschlagen hat, wie uns ein aeltlicher Polizist in blitzeblanken Lackschuhen erzaehlte. Da haette man wenigstens eine etwas repraesentativere Bruecke spendieren koennen, aber letztendlich kann ja keiner was dafuer, dass diese so wichtige Ruhmestat am Ufer eines winzigen Fluesschens vollbracht wurde. Das ist ungefaehr so, als haette Varus den Roemern irgendwo am Rotbach die Hucke vollgehauen und nicht im Teutoburger Wald.
Danach fuhren wir weiter in ein eher trockenes Gebiet, wo die Berghaenge von Agaven und Kakteen bedeckt waren, sodass ich mich eher in Mexiko als in Kolumbien fuehlte. Unten im Tal schlaengelte sich ein ein kleiner Fluss entlang, dessen Lauf wir folgten. Es war schon ziemlich pittoresk: Bauern bestellten ihre Felder, waehrend Kuehe und Pferde am Wegesrand doesten, dazu das Gurgeln des Flusses. Weniger romantisch war die Kuhkacke auf dem Weg, aber ich als halbes Landkind kannte sowas ja schon, waehrend ich mir ein Laecheln ueber die bogotanischen Stadtkinder nicht verkeneifen konnte, die prompt in selbige latschten. Am Ende gab's ein paar Felszeichnungen, fuer die wir den kleinen Fussmarsch ueberhaupt auf uns genommen hatten.
Die folgenden Programmpunkte waren der Besuch eines praehistorischen Museums (langweilig) und die Besichtigung des Staedtchens Villa de Leyva, das praktisch als Inbegriff des Kolonialdorfes gilt. Per Gesetz ist die Farbe der Haeuser vorgeschrieben (weiss und gruen), was wirklich nett anzusehen ist, aber mehr auch nicht. Da liefen sogar ein paar wenige Touristen rum und ein Strassenkoeter, der uns fuer eine Weile nicht von der Seite wich.
Es folgte ein komplettes Fossil eines praehistorischen Riesenkrokodils, das es in dieser Form wohl nicht allzuoft gibt auf der Welt, bevor wir uns zu meinem persoenlichen Hoehepunkt des Tages aufmachten, einem alten Indianerheiligtum der Chibcha. Die waren nicht dumm und wollten was fuer die Fruchtbarkeit des Bodens in dieser eher unwirtlichen Gegend tun, und was liegt da naeher, als ein paar Saeulen zu Ehren des Sonnengottes aufzustellen? "Aha, Saeulen, nein wie spannend!" werdet ihr jetzt sagen, aber die Chibcha waren alte Ferkel und haben ihnen die Form des maennlichen Geschlechtsorgans gegeben. Genau! Da steht ein Haufen steinerner Riesenpimmel in der Gegend herum, und zwar in allen Groessen und Formen. Meine Reife verbot es mir natuerlich, schluepfrige und pubertaere Witze zu machen, und natuerlich regte sich auch bei den Kollegen keine Miene, immerhin war's ja sowas wie eine Kirche, und natuerlich habe ich keine Erinnerungsfotos mit diesen Riesenbimbams gemacht, wo kaemen wir denn da hin! Nun ist leider so ein steinerner Indianerloerres spannender und lustiger als ein Altar in einer Kirche, sodass die von uns zu beaufsichtigenden Achtklaessler es sich nicht nehmen liessen, auf ihre Weise die Fruchtbarkeitsgoetter zu beschwoeren. Waere mir nicht in den Sinn gekommen. Ich bin ja erwachsen.
Da sich einer der Busse vorher den Kuehler beschaedigt hatte, als das Ende des Busses auf der Strasse aufsetzte, ging's erst mit Verspaetung weiter und wir mussten ein paarmal anhalten, um die Löcher im Schlauch notduerftig mit Seife und bocadillo (schmeckt aehnlich wie Marmelade, aber ist schnittfest) zu flicken. Letzte Station war Ráquira, ein Dorf mit buntbemalten Haeusern, das aber eher einem einzigen Souvenirladen gleicht.
Gegen Mitternacht war ich dann wieder zu Hause und werde meinen Enkeln irgendwann von Bolívars Bruecke, Kolonialdoerfern und mysterioesen Riesenpenissen erzaehlen koennen. Ja, wenn das nichts ist!

Fotos davon gibt's natuerlich auch, die findet ihr hier.

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