Das vergangene lange Wochenende haben Philipp, Marc (Mit-Zivis) und ich genutzt, uns Medellín anzuschauen.
Auf dem Weg zum Busterminal in Bogotá haette uns der Taxifahrer erstmal fast totgefahren, sich aber vor lachen fast bepisst und gar nicht mehr eingekriegt, der Penner. Nach 10 Stunden ereignisloser Fahrt kamen wir in Medellín an.
Die Stadt ist vor allem wegen ihres Klimas und ihrer Frauen bekannt. Nicht umsonst traegt sie Beinamen wie "Stadt des ewigen Fruehlings" oder "Stadt der Orchideen", denn erstens ist das Klima bei weitem angenehmer als in Bogotá und zweitens ist die Stadt viel gruener und nicht so grau wie meine geliebte Hauptstadt.
Frueher war Medellín eher als Drogenhauptstadt der Welt bekannt und wer hat nicht schon mal was von Pablo Escobar gehoert, doch seitdem der sich die Geranien von unten anguckt, hat sich vieles zum Guten gewandelt. Die Stadt ist wohl die modernste im Land, der Verkehr ist weniger moerderich und sie kam mir auch sauberer und organisierter vor als Bogotá.
Hier sind alle stolz auf die moderne Metro, eine Hochbahn mit vielleicht 2-3 Linien, aber immerhin. Alle haben mir geagt, wir muessten mit der Metro fahren, das waer total klasse. Gut, in Deutschland fuer viele Grossstaedter eher laestige Pflicht und Selbstverstaendlichkeit als Vergnuegen, hat man hier in Kolumbien anscheinend generell ein anderes Verhaeltnis zum ÖPNV (ein Umlaut! Baem! Ganz ehrlich: "OEPNV" saehe scheisse aus). Die Bahn ist echt blitzeblank, keine Penner mit Hansapils unterm Arm, keine Schmierereien oder demolierte Waggons. Die Leute sind einfach dankbar, immerhin ist's die einzige Metro in ganz Kolumbien. In Bogotá kriegen die's noch nicht einmal hin, eine vernuenftige Busspur zu bauen, ueberall Loecher, und hier ziehen die glatt eine schnieke Hochbahn hoch.
Der Hoehepunkt fuer mich waren aber die beiden "Metrocable"-Linien, was Seilbahnen sind, die auch einige der Armenviertel, die sich hier die Berge hochziehen, an das oeffentliche Verkehrsnetz anbinden. Sowas kannte ich bisher nur vom Skifahren und weiss nicht, ob es sowas auch anderswo auf der Welt in dieser Form gibt.
In der Innenstadt zeigt sich Medellín ebenfalls modern, aber man wird dauernd angequatscht, ob man nicht original Gucciguertel oder Ray-Ban-Sonnenbrillen kaufen moechte. Dann ist uns auch noch so ein Kind hinterhergelaufen und wir wissen bis heute nicht, was es wollte. Haben uns da ein paar Parks angeschaut, unter anderem mal wieder fette Bronzen von Botero, die er der Stadt geschenkt hat, doch so spannend ist's dann doch nicht gewesen.
Erst haben wir nicht viel von der sprichwoertlichen Schoenheit der "Paisas", wie die Einwohner der Provinz Antioquia gennant werden, mitbekommen, aber in den Bars und Diskos sind wir am Ende doch noch fuendig geworden, da treiben sich wirklich Granaten rum, meinen Respekt. Abgesehen davon ist der Paisa ein ganz eigener Menschenschlag mit eigener Art zu Sprechen, der als besonders geschaeftstuechtig gilt und mit zu den weissesten bewohnern des Landes zaehlt.
Ausserdem haben wir uns das "Pueblito Paisa" angeschaut, was ein kleines Bilderbuchdorf ist, das auf einem Huegel in Medellín steht. Hier besinnt sich der Paisa auf seine Wurzeln, damit er weiss, wo er herkommt. "Back to the Roots" quasi.
Am Montagnachmittag ging es wieder zurueck, noch einmal neun Stunden Busfahrt, was aber im bequemen Reisebus kein grosses Problem war. Es gab sogar Fernsehen, sodass sich auf den Bordbildschirmen Menschen mit haesslichen Frisuren in einem drittklassigen nordamerikanischen Actionfilm die Koepfe einschlugen.
Am Ende ist auch die schoenste Reise mal vorbei und am naechsten Tag hiess es schon wieder frueh aufstehen, denn ich bin hier zum Arbeiten, gell?
Und wie immer mit dabei: der Fotolink!
Donnerstag, 20. November 2008
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