Sonntag, 11. Januar 2009

Karibikreise #3: Ciudad Perdida

Von Santa Marta aus machten wir uns auf zur Ciudad Perdida, die eine von den Tayrona-Indianern errichtete Ruinenstadt mitten im Dschungel ist, jedoch von Besuchermassen weitgehend verschont geblieben ist, weil sie erst relativ spaet Ende der 70er-Jahre entdeckt worden ist.
Um sie zu besuchen, muss man das ueber eine Agentur machen, denn die Stadt liegt im Indianerreservat und ist nur zu Fuss zu erreichen. Mit von der Partie waren noch ein paar andere Leute, insgesamt recht bunt gemischt, mit Kalle und meiner Wenigkeit als die juengsten.
Im Auto (Toyota Landcruiser, Kilometerstand ueber 2 Millionen) sollte es erst bis Mamey gehen, einem kleinen Dorf, von wo aus man loslaeuft, doch kurz nachdem wir die asphaltierte Strasse verlassen hatten, blockierte ein Pick-Up den Weg, der mit dem Hinterrad in einem Loch hing und fast abgestuerzt waere. Am Ende haben die guten Leute es mit viel Einfallsreichtum und der Hilfe eines anderen Wagens, der zum Glueck vorbeifuhr, geschafft, das Ding aus dem Dreck zu ziehen und wir konnten unsere Reise fortsetzen.
Vom Dorf aus ging es zu Fuss los, erst gemaessigt, dann steil bergauf ueber Wege, die sonst fuer den Viehtrieb benutzt werden. Noch waren alle motiviert, auch wenn die Knie einem deutlich sagten, was sie von der Sache hielten, vor allem, da wir die letzten 40 Minuten mehr stolperten als liefen, weil die Sonne mittlerweile untergegangen war.
Am zweiten Tag aenderte sich die Landschaft. Ging es anfangs noch an Kuhweiden vorbei, erreichten wir bald den Urwald, der bis auf die Aktivitaet der Kogis, die hier Subsistenzwirtschaft betreiben, und die Unterkuenfte der Tourbetreiber weitgehend unberuehrt ist. Am dritten Tag ging es weiter durch atemberaubende Natur, immer recht nahe am Río Buritaca entlang, den man am letzten Tag ungefaehr achtmal durchqueren muss, wobei ich als der beinahe Kleinste wieder am meisten leiden musste.
Als Sahnehaeubchen wartet am Ende eine 1200 Stufen zaehlende Treppe auf den mueden Wanderer, die hoch zur Ciudad Perdida fuehrt.
Von der Stadt selbst sind nur noch die Steinterrassen sichtbar, die Haeuser waren aus Holz und haben die Zeit nicht ueberdauert. Abgesehen vom freigelegten, sichtbaren Teil erstreckt sich die Stadt noch viel weiter ueber die umgebenden Berghaenge, doch die Indianer moechten nicht, dass mehr freigelegt wird. Hier hatten sie Gaerten, wo sie alles anpflanzten, was sie zum Leben brauchten, darunter auch Koka, was die auch heute noch die ganze Zeit kauen, ansonsten Bananen, Maniok, Apfelsinen und sowas.
Ausserdem hat hier die Armee eine Basis, wo alle 4 Monate abgeloest wird. Arme Schweine, da gibt es nichts zu tun, absolut nichts! Da war schon die Ankunft des Hubschraubers eine kleine Sensation, immerhin brachte der was zu essen.
Den vierten Tag verbrachten wir mit der Besichtigung der Stadt, entspannten uns in einem natuerlichen Schwimmbecken mit eiskaltem Wasser und liessen uns von den Moskitos stechen, was einen irgendwann kaum noch stoerte.
Den Rueckweg gingen wir in zwei Tagen, wobei ich irgendwie Fieber bekommen hatte und eher keine Lust auf Gewaltmaersche verspuerte. Am Ende kamen wir ziemlich erschoepft an unserem Ziel an, doch haette nicht einer der Fuehrer mit etwas mit dem Rucksack geholfen, haette ich wohl deutlich laenger gebraucht.
Einer der Bauern, wo wir die erste und die letzte Nacht verbrachten, erzaehlte uns, dass der Tourismus nicht wirklich viel Geld in die Gegend bringt. Zwar nehmen in der Hauptsaison jeden Tag Gruppen den Weg zur Ciudad Perdida auf sich, darunter manchmal ganze Schulklassen, aber bei der Arbeit, die die Fuehrer und Maultierteiber bzw. Traeger verrichten, handelt es sich eher um eine ABM-Massnahme. Frueher bauten fast alle hier aufgrund der Abgeschiedenheit Koka an, weil sich alles andere nicht rentierte, doch hiermit verdiente der einfache Bauer auch nicht viel, die dicke Kohle haben andere gemacht. Die Regierung hat zwar Hilfen versprochen fuer diejenigen, die den Kokaanbau sein liessen, doch der Weg zum zustaendigen Amt verschlingt die ohnehin geringen Gelder, die gezahlt werden, und so verlaesst man sich eher auf sich selbst als auf die Regierung. Heute bauen die meisten Kaffee an, was so ziemlich das einzige ist, was sich wenigstens ein bisschen lohnt.
Mir bleiben von dieser Tour die wunderschoene Natur, das glasklare Wasser, die Moskitos und die Freundlichkeit der Menschen der Sierra Nevada in besonderer Erinnerung.

Zurueck in Santa Marta ruhten wir erst einmal aus bevor wir bald nach Taganga weiterfuhren.

Fuer Fotos hier klicken.

Bei Wikipedia gibt es einen Artikel ueber die Ciudad Perdida, der aber mit Vorsicht zu geniessen ist. Die AUC (rechte Paramilitaers, 2006 demobilisiert) existieren nicht mehr und die kolumbianische Armee kontrolliert das Territorium. Der Artikel ist also alles andere als aktuell und zeigt, inwieweit man sich auf die Wikipedia verlassen sollte. Die geschichtlichen Daten stimmen aber soweit, auch wenn die dort beschriebene Route heute geschlossen ist.

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