Donnerstag, 5. März 2009

"Helau! Alaaf! Mann, sind die jeck!" - Carnaval de Barranquilla

Jedes Jahr im Februar findet in Barranquilla nicht nur der groesste Karneval Kolumbiens, sondern mit ueber 1,5 Mio. Teilnehmern auch einer der wichtigsten Karnevals der Welt statt, der 2003 von der UNESCO zum "Meisterwerk des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit" erklaert wurde. Man koennte aber auch sagen, dass der Karneval von Barranquilla einfach nur eine Riesensause ist und eine ganze Stadt in den Ausnahmezustand versetzt.
Das wollte ich mir nicht entgehen lassen und konnte gluecklicherweise im Haus einer Bekannten (Mar) unterkommen, wo ausserdem noch zwei andere Bogotaner zu Besuch waren.
Haben uns die Batalla de Flores (Blumenschlacht) angesehen, die der groesste und wichtigste Umzug des Karnevals ist. Mir haben die zahlreichen Schoenheitskoeniginnen gefallen, aber vom Hocker gerissen hat es mich dann doch nicht, zumal wir nicht allzuviel sehen konnten. Abgesehen von den leichtbekleideten Frauen ("Das ist ja total sexistisch!") gab es zahlreiche Tanzgruppen oder man kommentierte das Weltgeschehen auf seine eigene ironische Weise, wie es auch auf den karnevalszuegen in Koeln oder Duesseldorf gemacht wird. Neben Obama waren Ingrid Betancourt und Raúl Reyes gleich mehrmals vertreten und auch ein alter Bekannter aus der juengeren deutschen Geschichte machte seine Aufwartung (jawohl, der Adolf!).
Unsere Gastgeberin Mar eklaerte uns, dass der barranquillero eigentlich lieber Zuhause sitzt und sich den ganzen Umzug im Fernsehen anguckt oder aber viel Geld fuer einen Platz im palco (ueberdachte Tribuene) ausgibt und nur die Hauptstaedter und Auslaender sich das antun. Spaeter verstand ich warum, denn die Sonne war wirklich erbarmungslos, zumal in Kombination mit Rum und dergleichen. Fuer viele Leute dort ist der Karneval einfach eine Entschuldigung, viel und oft Party zu machen, ein paar ordentliche Lagen zu heben und sich nebenbei mit Maismehl oder Talkumpuder zu bewerfen. Sei es ihnen gegoennt!
Ausser der Batalla de Flores haben wir uns keine weiteren Umzuege mehr angesehen, sondern lang geschlafen, abends Party gemacht und sind einen Nachmittag an den Strand gefahren, wo in einem urigen Strandschuppen barfuessige Maenner mit Plauze und Bierglas auf dem Kopf zu alter salsa und kubanischem son abgingen.
Barranquilla hat sonst nicht allzuviel zu bieten. Die Stadt ist recht dreckig (wie oft an der Kueste) und wirkt ein wenig trostlos, im Gegensatz zu ihren Bewohnern, die sehr offen und entspannt sind, was boese Hauptstaedter als Faulheit auslegen. Meiner Meinung nach hat man einfach seinen Arbeitsrhytmus an das Klima angepasst; andererseits gilt der Bogotaner bzw. Hochlandkolumbianer hier an der Kueste und eigentlich auch im Rest des Landes als verklemmt, langweilig und unterkuehlt, was sicher auch nicht auf alle cachacos zutrifft.
Die Woche nach dem Karneval, der fuer mich mit 19 Stunden Busfahrt zu Ende ging, hatte ich unter einem ernsthaften Schlafdefizit zu leiden, doch wenn man zu dieser Zeit in Kolumbien ist, sollte man sich den Karneval ruhig mal anschauen.

>Fotos<

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